Müllers Gesundheitsblog
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Ärztemangel
31.08.2005: Ärztemangel – eine Diagnose, viele Therapieansätze
Ob in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt oder in der Schweiz, die Diagnose lautet übereinstimmend, dass sich die Ärzte zunehmend häufiger für alternative Betätigungsfelder entscheiden. Die Lösungsansätze sind völlig unterschiedlich, sofern es überhaupt welche gibt. In M-V versucht man es mit einem Masterplan, in Hessen hat man das Dilemma gerade mal festgestellt aber noch nichts unternommen und es fehlt auch nicht an aberwitzigen Vorschlägen, wie man dem Ärztemangel begegnen könnte.
Auf die Frage, warum sich die Ärzte nicht in gewünschtem Ausmaße niederlassen, gibt es verbalakrobatische Verrenkungen – in Deutschland. In der Schweiz nennt man die Dinge einfach beim Namen. „Niedriges Honorar vermiest Ärzten in der Ostschweiz den Job“, so die Überschrift in der Ärzte Zeitung. Diese Aussage kann man ganz einfach nachvollziehen. Wie sieht es im Vergleich dazu in Deutschland aus?
In Sachsen-Anhalt spricht man von einer Diskrepanz, auf die die Ärztevertreter aufmerksam machen müssten. Aber auch in M-V spricht man von allem möglichen, sei es von Imageproblemen, von fehlender Aus- und Weiterbildung oder von einer erweiterten Leistungsausdehnung der Ärzte. Um das Problem anzugehen, will man sogar ausländische Ärzte mit Werbemaßnahmen anlocken – nur eines scheint man zu scheuen wie der Teufel das Weihwasser: eine angemessene Honorierung für ärztliche Leistungen zu fordern.
Stattdessen wiederholt stereotyp Angaben zu Durchschnittswerten beim Jahresüberschuss. Was aber hilft es einem niedergelassenen Arzt in Sachsen, dass der durchschnittliche Jahresüberschuss irgendwo in Deutschland bei 75.000 Euro liegt? Wenn ein voll ausgelasteter Arzt in Sachsen gerade mal einen Jahresumsatz von 120.000 Euro mit Kassenpatienten erzielt und sein Einnahmenüberschuss vor Steuern bei 40.000 Euro liegt, dann entspricht dies einem Nettoeinkommen von ca. 1.500 Euro im Monat.
Wie lange wird es dauern, bis die Ärzte sich nicht nur gegenseitig bedauern und gemeinsam in großes Wehklagen ausbrechen. Auch die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft ärztlicher Interessenvertretungen in Hessen gegen die Kassenwillkür hört sich eher nach künstlicher Aktivität an. Obwohl man gigantischen Druck der Kassen auf die Ärzte feststellt, kommt es nur zu einer kümmerlichen Ausweichreaktion. Solange die Ärzte nicht bereit sind, auf Druck mit höherem Gegendruck zu reagieren – solange wird sich nichts ändern. Den Rechtsweg zu beschreiten, das hat noch niemandem geschadet. Aber solange es an realen Handlungen fehlt, werden die Ärzte keinen Einfluss auf die weitere Entwicklung in ihrem Sinne haben.
Facharzt.de meldet dazu: "Der dramatische Ärztemangel, der sich in Hessen bereits heute abzeichnet und die Sicherstellung der ambulanten Versorgung vor allem in den ländlichen Gebieten gefährden wird, macht dies überdeutlich."
Wären Sie Ärztevertreter und die obige Aussage träfe zu – hätten Sie dann ausschließlich den Rechtweg beschritten, der vielleicht „schon“ in fünf Jahren zu einem rechtskräftigen Beschluss führt? Oder hätten Sie nach Mitteln und Wegen gesucht, um auf den dramatischen Ärztemangel noch in diesem Jahr effektiv reagieren zu können?
Von Seiten höchster Ärztefunktionäre kam der Vorschlag, man möge dem Ärztemangel doch mit rollenden Praxen (vermutlich ein umgebauter Bus) entgegenwirken. Eine Versorgung dieser Art hätte man vielleicht für Teile Afrikas, in die sich sonst nie ein Arzt verirrt und wo die Menschen nicht mobil sind, erwartet. In einem hochindustrialisierten Land wie Deutschland, dessen Gesundheitswesen zum besten zählt, was die Welt zu bieten hat, mutet der Vorschlag wie ein ganz schlechter Witz an. Selbst eine ironische oder sarkastische Interpretation der Worte von Prof. Hoppe, dem Präsidenten der Bundesärztekammer, würde allenfalls bestätigen, dass die Ärztefunktionäre mit dem Problem des Ärztemangels völlig überfordert sind.
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23.08.2005: Hessen: Ärztemangel hat eine Ursache - unzureichende Honorierung
Erst haben es die Patienten festgestellt, dann hat es die Presse aufgenommen und jetzt merken es zunehmend auch die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) - es fehlen Ärzte. Die KV Hessen dazu:
Der Ärztemangel wird sich künftig auch im Facharztbereich und in städtischen Regionen fortsetzen.
Nun ist es nicht mehr so neu, dass auch bei KVen der Ärztemangel zu einem Thema geworden ist. Aber im Unterschied zu den bisherigen Statements von Körperschaften des öffentlichen Rechts, spricht die KV Hessen die Ursache für den Ärztemangel eindeutig an: „...sinkende Honorierung ... Dazu kommt, dass die Vertreter der Krankenkassen die Vorgabe zum Sparzwang schamlos ausnutzen und zu wenig Honorar zur Verfügung stellen ... Wer soll unter diesen Bedingungen ... noch Arzt werden wollen?“
Zudem wandern junge Ärzte .... ab, wo sie adäquat bezahlt werden.
Bleibt noch die Frage, wer die Interessen der Ärzteschaft so suboptimal vertreten hat, dass es zu der von der KV Hessen beschriebenen Situation gekommen ist. Denn wie der Volksmund zutreffend sagt: "Von nichts kommt nichts."
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18.08.2005: AOK kannte keinen Ärztemangel im Osten, die KVen seit heute schon
Zu ein und demselben Sachverhalt, der aktuellen Versorgungssituation mit Ärzten und dem Ausblick auf die Zukunft, kommen zwei Körperschaften des öffentlichen Rechts zu völlig entgegengesetzten Meinungen. Für die AOK ist Ärztemangel kein Thema. Folgt man dagegen den Aussagen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) im Osten, so scheint es alles andere als gut bestellt um den Ärztenachwuchs.
Alleine im Osten sind derzeit bereits 609 Hausarztstellen nicht zu besetzen. Jeder 14. Hausarztsitz ist demnach heute schon unbesetzt. Bis zum Jahre 2010 werden weitere 3.500 altersbedingte Zulassungsrückgaben von Hausärzten erwartet. Alle bisher aus eigener Kraft eingeleiteten Maßnahmen reichen nach eigener Einschätzung nicht aus, um im Osten genügend Nachwuchs für freiwerdende Hausarztsitze zu gewinnen. Die entsprechende Presseerklärung schönt die zu erwartende Situation nicht. Mit schonungsloser Offenheit haben die KVen die Zahlen präsentiert. Durchschnittlich über 40% aller Hausärzte in den neuen Bundesländern geben bis 2010 ihre Zulassung zurück.
Angenommen, ein Hausarzt würde sich mit 35 Jahren niederlassen und mit 65 Jahren in Rente gehen, dann würde er dreißig Jahre arbeiten. Pro Jahr müssten zwischen drei und vier Prozent Ärzte nachfolgen, um den natürlichen Abfluss zu kompensieren. „Normalerweise“ würden also in den sechs Jahren bis 2010 rund 20 Prozent aller Hausarztsitze einem Nachfolger übergeben. In den kommenden Jahren werden aber mehr als doppelt so viele Hausärzte benötigt – und es gibt sie nicht in ausreichendem Umfange.
Weder in Österreich noch in anderen Ländern lassen sich genügend Ärzte finden, die die Lücken schließen. Dass derzeit bereits 609 Hausarztsitze ohne Nachfolger sind, Tendenz stark zunehmend, hat die KVen veranlasst, auf diesen Mangel hinzuweisen.
Vor zwei Jahren hörte sich das in der Pressemitteilung der AOK noch ganz anders an: Hoberg kritisierte in diesem Zusammenhang Versuche von Seiten einiger Ärzteverbände, Besetzungsprobleme bei wenigen Arztsitzen aufzublasen zu einer vermeintlichen Versorgungskrise.
Die Worte des stellvertretenden AOK-Bundesvorsitzenden werden durch die aktuelle Entwicklung Lügen gestraft. Alle Daten lagen dazu auch schon vor zwei Jahren vor, aber aussitzen und auf das Prinzip Hoffnung vertrauen ist eben einfacher, als unangenehme Wahrheiten auszusprechen.
Überhaupt, bei der Wahrheitssuche hält man sich allerortens überaus bedeckt. Warum es zu dem Ärztemangel überhaupt gekommen ist – kein Wort davon. Anstatt auf die völlig unzureichende Honorierung vertragsärztlicher Leistungen als der Kernursache des Ärztemangels hinzuweisen, verlegen sich die KVen lieber auf Forderungen an Dritte. Man fordert von nicht näher bezeichneten Dritten ein kurzfristig wirkendes Sofortprogramm.
Welch ein Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit. Die KVen haben den Sicherstellungsauftrag, haben also für genügend Ärzte im Bereich der KV zu sorgen. Wie, das war den Kassen ziemlich egal, solange man die Kosten möglichst gering halten konnte. Das ging über viele Jahre so weit, dass das Honorar der Vertragsärzte unter die gesetzlich festgeschriebene Grenze fiel. Klagen einzelner Ärzte wegen Verstoßes gegen SGB V §72 Abs. 2 wurden von den KVen regelmäßig gewonnen - spätestens in der letzten Instanz beim Bundessozialgericht. Die Quittung für die unangemessen niedrige Honorierung ist der Ärztemangel. Wären die KVen ihren Aufgaben in vollem Umfange nachgekommen und hätten sich nicht nur als verlängerten der Politik und der Ministerien verstanden, das heutige Eingeständnis wären ihnen erspart geblieben.
Die KVen sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und haben dementsprechend den Weisungen der Aufsichtsbehörde Folge zu leisten. Aber es steht nirgendwo geschrieben, dass die KVen dazu verpflichtet sind, ein Absinken der ärztlichen Honorare unterhalb eines angemessenen Niveaus ohne lauten Aufschrei hinzunehmen.
Die KVen sind mindestens fünf Jahre zu spät dran mit ihrer öffentlichen Stellungnahme. Selbst wenn jetzt die geeigneten Korrekturmaßnahmen ergriffen werden würden, der Ärztemangel wird sich bis 2010 drastisch verschärfen. Das gilt sowohl für den Osten als auch für den Westen.
Noch schlechter als die KVen ist nur noch die AOK aufgestellt.
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10.08.2005: Ärztemangel jetzt auch in der Schweiz
Es sind fast die identischen Sätze, wenn über die schweizer Verhältnisse in der ärztlichen Versorgung berichtet wird. Es "mehren sich die Anzeichen für einen erst zu nehmenden Ärztemangel", "große Mühe, ärztliche Stellen zu besetzen" und "Bisher konnten Lücken mit ausländischen Kolleginnen und Kollegen, vor allem aus Deutschland, geschlossen werden. Ihr Anteil beträgt rund 30 Prozent".
Aber nicht nur das ein Ärztemangel genau wie in Deutschland festgestellt wird, auch die Gründe für den Ärztemangel sind deckungsgleich. Den traditionell schlechten Arbeitsbedingungen in den Spitälern mit hohen Arbeitszeiten, hoher Belastung und Verantwortung, stark hierarchischen Strukturen und mangelnder Anerkennung .... "Die Götter in Weiß wurden – überspitzt gesagt – zu ‚Abzockern der Nation’ degradiert. Es wird suggeriert, dass sie unnötige Leistungen erbringen, um mehr zu verdienen"... Es mache wenig Freude, nach einem 14-Stunden-Tag nach Hause zu kommen, das Fernsehgerät einzuschalten und zu hören, wie geldgierig Ärzte doch seien.
Diese Aussage kann die große Mehrheit der deutschen Ärzte sofort unterschreiben. Die Schweizer verweisen auf Deutschland und andere europäische Länder, bei denen ebenfalls Ärztemangel herrsche. "Es gilt, bei den politischen Entscheidungen die richtigen Zeichen zu setzten, denn fehlen heute die Spitalärzte, so fehlen morgen die Hausärzte" Auch das trifft für Deutschland genau so zu.
Ob es jemanden interessieren wird?
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09.08.2005: Deutsche Ärzte lösen einfache Fahrkarte ins europäische Ausland
Der Trend ins Ausland nimmt beim deutschen Ärztenachwuchs zu. Wer in Deutschland mit den langen Arbeitszeiten, der schlechten Bezahlung, unzureichenden Weiterbildungsmöglichkeiten oder auch dem schlechten Arbeitsklima unzufrieden ist, verlässt die Heimat. Im Ausland erfahren die Ärzte die Wertschätzung, die in Deutschland weitestgehend fehlt. Ändert sich nicht bald etwas in Deutschland, dann wird der Ärztemangel zu erheblichen Verschlechterungen in der medizinischen Versorgung führen.
Diese Woche hat der Spiegel die Defizite in Deutschland aufgezählt, aber es interessiert keinen. Die Briten wird es freuen, über zahlreiche Jobvermittler werden deutsche Nachwuchsmediziner professionell ins Ausland vermittelt. Die Ärzte klagen unter anderem über die schlechten Arbeitsbedingungen in Deutschland, zu lange Arbeitszeiten und unbezahlte Überstunden. Und die Reaktion darauf? Die bestehenden Tarifverträge werden gekündigt und neue Verträge mit verlängerten Arbeitszeiten und geringerem Gehalt werden angeboten.
Auch ohne Prophet zu sein kann man vorhersagen, dass das die falsche Methode ist, um den Nachwuchs in Deutschland zu halten. Der Marburger Bund hatte in der letzten Woche eine große Protestaktion der angestellten Ärzte gestartet, aber bis jetzt ist es noch nicht zu einem Umdenken bei den Verantwortlichen gekommen. Die Boulevardpresse hat sich des Themas Ärztemangel noch nicht angenommen, der Druck bei den Patienten ist flächendeckend noch nicht groß genug. Aber wenn der Ärztemangel erst einmal zu einem Thema geworden ist, das in der Boulevardpresse breitgetreten wird, dann kommen alle Maßnahmen zu spät.
Selbst wenn alle Politik und Arbeitgeber innerhalb kürzester Zeit alles richtig machten - es wird Jahre dauern, bis die Spätfolgen einer verfehlten Gesundheitspolitik behoben sein werden. Da derzeit allenfalls Experten über Maßnahmen sprechen, die nicht nur die Symptome sondern die eigentlichen Ursachen des Ärztemangels beheben würden, wird die Abhilfe noch länger auf sich warten lassen.
Schlechte Aussichten für Patienten in den ländlichen Regionen, in denen der Arzt jetzt entweder in die Pleite oder in den Ruhestand geht. Sie werden sich einen weit entfernt wohnenden Arzt suchen müssen. Ändern wird sich vermutlich frühestens erst dann etwas, wenn die Zeitungen mit den großen Buchstaben dieses Thema wochenlang auf der Titelseite führen. Das zu ignorieren kann sich kaum ein Politiker leisten, der Wahlen gewinnen will.
Ob dann allerdings „einfache“ Maßnahmen ergriffen werden, um kurzfristig an den Symptomen herumzudoktern oder ob man den überaus beschwerlichen und unpopulären Weg echter Reformen angehen wird, steht in den Sternen. Man wird den Ärztemangel dauerhaft nur dann beheben können, wenn man dem Nachwuchs bessere Rahmenbedingungen bietet. Mit planwirtschaftlichen und dirigistischen Maßnahmen wird man dies sicherlich nicht erreichen.
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28.07.2005: Ärztemangel jetzt auch in Großstädten
Bis vor kurzem glaubte selbst die Bundesagentur für Arbeit, dass ein Facharztmangel droht. Von Hausärzten oder gar davon, dass solche selbst in Großstädten fehlen würden, war keine Rede. Heute kann sich ein Hausarzt in 70% aller Planungsbereiche frei niederlassen. Trotzdem fehlt es an Hausärzten. Hausärzte werden zur Mangelware - und die Bürokraten versagen eindeutig bei der Behebung des Mangels.
Berücksichtigt man noch, dass es sich um Durchschnittswerte handelt und beispielsweise in Hessen bis zum Jahre 2010 der Versorgungsgrad bei Hausärzten bei über 100% liegt, dann muss es in anderen Bereichen weitaus schlimmer aussehen. Doch selbst ein Versorgungsgrad von über 100% ist noch lange keine Garantie, dass es nicht doch im Einzelfalle zu einer lokalen Unterversorgung kommen kann, wie dies am Beispiel Ohrdruf in Thüringen offensichtlich wurde. Obwohl der Versorgungsgrad in der Planungsregion über 100% liegt, fehlen vor Ort vier von sechs Hausärzten.
Die Verzweiflung der Verantwortlichen wächst, die in Panik ergriffenen Maßnahmen sind grotesk. Mit einer Imagekampagne will man den Hausärztemangel bekämpfen. Wie weit weg von gut und böse müssen die Verantwortlichen sein, wenn sie zu diesem völlig ungeeigneten Instrument greifen. Die Gründe für den Hausärztemangel sind klar erkannt:
* immense Arbeitsbelastung * unzureichende Honorierung * zu viel Bürokratie
Die Arbeitsbelastung würde sinken, wenn es mehr Ärzte gäbe. Dieses Problem würde sich also von alleine lösen. Die unzureichende Honorierung ist das eigentliche Problem. Würde das Einkommen stimmen, würden die Ärzte auch eine ausufernde Bürokratie hinnehmen können – schließlich erhielten sie für die Entgleisungen der Bürokraten eine finanzielle Entschädigung.
Der drohende Ärztemangel war vor Jahren ein theoretisches Gebilde, das noch in weiter Ferne war und keine Bedrohung darstellte. Heute ist der Ärztemangel ein real existierendes Problem, das zudem schnell wächst. Noch ist der Ärztemangel keine Bedrohung, die auf der obersten Ebene als solche wahrgenommen wird. Die in künstlicher Hektik ergriffenen Maßnahmen sollen suggerieren, dass man „etwas tut“.
Für all diejenigen, die sich von Worten und Ankündigungen blenden lassen, mag das ausreichen. Hat man für den Ärztemangel jedoch die Verantwortung zu tragen, sollte man sich möglichst schnell der Ursache widmen. Denn die Zeit des kosmetischen Übertünchens der Realität nähert sich zügig einem natürlichen Ende. Die Patienten sind zwar geduldig – aber noch lange nicht blöd. Da kann die Politik den Kassenärztlichen Vereinigungen und den Kassen den schwarzen Peter zuschieben wollen wie sie will. Die Patienten werden früher oder später als Wähler darüber urteilen, wie sehr sie mit der Arbeit der jeweiligen Regierungen zufrieden sind.
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21.07.2005: Der Ärztemangel nimmt zu, offizielle Zahlen
Von 2001 bis 2008 wird der Bedarf an niederlassungswilligen Ärzten auf mehr als das Doppelte ansteigen, so die Aussagen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Dass sich die Situation zuspitzen wird, ist endlich auch an der Spitze der Ärzteschaft angekommen. Sieht man aber die geplanten Maßnahmen zur Vermeidung eines drohenden Ärztemangels, so sind Zweifel an deren Effektivität mehr als angebracht. Notwendig wäre eine angemessenere Honorierung, alles andere ist nur Beiwerk. Aber die KBV erhebt noch nicht einmal die Forderung nach einer angemessenen Honorierung, von einer Durchsetzung solcher Forderungen ganz zu schweigen.
Im Jahre 2001 reichten 3.150 Ärzte aus, um die durch Pensionierung freiwerdenden Arztsitze zu besetzen. Im nächsten Jahr sind es bereits fast 5.000 und im Jahre 2008 benötigt man rund 6.400 Ärzte, die sich niederlassen wollen - so zumindest die Schätzung der KBV. Bereits heute sind mehr als 1.000 Arztsitze unbesetzt und die Schere geht ständig weiter auf.
Ob Medizinstudenten mit mehr Werbung und Information für eine Niederlassung gewonnen werden können, ist mehr als fraglich. Solange die wirtschaftliche Situation der niedergelassenen Ärzte so katastrophal ist, dass es mehr als die Hälfte aller fertig ausgebildeten Mediziner vorzieht, in Deutschland nicht als Arzt zu arbeiten, fallen Werbung und ähnliche Maßnahmen unter künstliche Hektik. Für die Patienten rückt damit die Lösung des Problems in immer weitere Ferne.
Die in verschiedenen Regionen (Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen) ergriffenen Maßnahmen haben eines gemeinsam: es werden finanzielle Anreize geboten. Über die Ursache des Ärztemangels herrscht auf der Ebene der Kassenärztlichen Vereinigungen damit Einigkeit - unzureichende wirtschaftliche Aussichten.
Da sich die Situation in diesen Bundesländern trotz der Anreizprogramme nicht entspannt sondern sogar noch weiter verschärft, scheinen die Anreize nicht ausreichend hoch zu sein. Die derzeitigen finanziellen Anreize stellen allerhöchstens einen Tropfen auf den heißen Stein dar. Zudem sind sie aus ökonomischer Sicht hochgefährlich, da sie zeitlich befristet sind. Entfällt der finanzielle Anreiz, fällt der frisch niedergelassene Arzt noch hinter den Zustand von heute zurück, da ihm dann weitere Mittel entzogen werden, um die Anreize für die übernächste Generation zu finanzieren. Man müsste als Arzt schon nicht mehr alle Tassen im Schrank haben, um nur wegen kurzfristiger Anreize langfristige Nachteile in Kauf zu nehmen.
Die Antwort der Mediziner auf die Anreizprogramme fiel daher völlig eindeutig aus - sie ignorierten die krampfhaften Bemühungen.
Die KBV spielte in der Angelegenheit eine äußerst unglückliche Rolle. Der neue KBV-Chef sagte bereits im Frühjahr 2005, dass es die KBV nicht mehr als ihre Hauptaufgabe ansähe, sich um die wirtschaftlichen Interessen der Ärzteschaft zu kümmern. Man wolle auch nicht mehr alle Ärzte gleich lieb haben.
Als ernstzunehmende Interessenvertretung der Ärzteschaft in wirtschaftlichen Fragen hatte sich die KBV damit in aller Öffentlichkeit verabschiedet. Ein langes Siechtum, in dessen Verlauf die KBV einen bereits fest ausgehandelten Punktwert von 5,11 Cent zum Nachteil aller Ärzte aufgegeben hat, war mit der Erklärung von Dr. Köhler zu Ende gekommen.
Jahrelang war die KBV nicht in der Lage, die wirtschaftlichen Interessen der Ärzteschaft durchzusetzen. Wäre sie ihrer Aufgabe nachgekommen - es gäbe keinen Ärztemangel in Deutschland.
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