Es hat Jahre gedauert, bis den Ärzten der Geduldsfaden gerissen ist, aber jetzt ist es so weit. Ärzte an Krankenhäusern fordern deutlich höhere Honorare. Chefärzte und Verwaltungsdirektoren kennen das Problem, bei dem geringen Gehalt keine guten Leute mehr zu finden. Das trifft in wenigen Jahren selbst auf Uni-Kliniken zu. Nach den ersten Streiks der Krankenhausärzte seit vielen Jahren, hat die Interessenvertretung der Ärzte die Mitgliedschaft bei ver.di aufgekündigt. Die Ärzte wollen mehr Geld - und sie sind bereit, dafür zu kämpfen.
Noch vor kurzem wurde das Gehalt der Kliniksärzte um ca. 20% von den Arbeitgebern zusammengestrichen. Das hat das Maß mehr als voll gemacht, es ist übergelaufen. Jahrelang haben Ärzte alles hingenommen, unbezahlte Mehrarbeit und 36 Stunden Arbeit ohne Unterbrechung - nun war es zuviel an Zumutungen. Nach zwei erfolgreichen Streiks, zuletzt mit 5000 Kliniksärzten in Stuttgart, hat der Marburger Bund beschlossen, die Tarifgemeinschaft mit ver.di aufzugeben.
Auch wenn sich die Forderung nach 30% mehr Honorar hoch anhören, sie sind es nicht. Bereits vor der Kürzung um 20% haben Ärzte häufig einen Bruttostundenlohn von unter 15 Euro gehabt - auch wenn sie in der Nacht oder am Wochenende gearbeitet haben. Im europäischen Vergleich werden deutsche Ärzte extrem schlecht bezahlt. Viele Ärzte sind ins Ausland gegangen, andere haben gleich die besser dotierten Jobs in der Industrie angenommen. Ärztemangel wo man hinsieht, ob in den Krankenhäusern oder auf dem flachen Lande bei den niedergelassenenn Ärzten.
Solange die Krankenhausärzte über ver.di vertreten wurden, hatten sie keinen Einfluss auf die Tarifverhandlungen. Mit der Verselbständigung haben die Krankenhausärzte Verhandlungsmacht gewonnen. Im Ergebnis wird es auf deutliche Gehaltssteigerungen für die Ärzte hinauslaufen, damit der Abstand zum europäischen Ausland wenigstens etwas verkürzt wird. Auf die Kassen kommen damit nochmals deutliche Ausgabensteigerungen zu. Die erwarteten Überschüsse sind durch die gestiegenen Ausgaben für Medikamente und den Krankenhausbereich eh schon aufgezehrt worden. Kommen jetzt noch weitere Kosten für die Gehälter der Krankenhausärzte hinzu, droht Ungemach.
Die unzureichenden Gehälter der Krankenhausärzte haben zum Ärztemangel an den Krankenhäusern geführt. Daneben gibt es aber auch noch den Ärztemangel im niedergelassenen Bereich. Auch hier liegt die Ursache eindeutig im unzureichenden Honorar, wie es die Ärztekammerpräsidentin von Hessen völlig unverblümt gesagt hat. Zwar sind die Ausgaben für das Gesundheitswesen in den letzten Jahren angestiegen, aber diese Entwicklung hat die niedergelassenen Ärzte völlig ausgespart.
Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich der Unmut der Ärzte Bahn bricht. Hoch genug ist der Leidensdruck der Ärzte schon lange. Allerdings stehen an der Spitze der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigungen noch genügend Funktionäre, bei denen man sich fragt, ob sie bei der Interessenvertretung der Ärzteschaft eher helfen - oder eher stören. Nur bei einigen Funktionären, die sich ausschließlich nur noch um ihr persönliches Wohlergehen, also die Beibehaltung aller Ämter mit allen Vorteilen, kümmern, scheint diese Frage eindeutig zum Nachteil der Ärzteschaft gelöst.
Wer glaubt, dass dieses ein hausgemachtes Problem der Ärzte ist, der irrt. Jetzt sparen die Kassen bei den Ärzten. Sind nicht mehr genügend Ärzte vorhanden, kann das für die Patienten eine sehr teure Angelegenheit werden. Dann sparen die Kassen nämlich an der Behandlung - und die Patienten leiden darunter.