Der Hausärzteverband fordert Anreize, damit sich mehr Ärzte niederlassen und so dem Ärztemangel entgegen wirken. Aber eine Förderung der Niederlassung ist lediglich eine Hilfe zum Einstieg. Ist der Arzt dann erst einmal niedergelassen, schon sieht er sich all den Problemen gegenüber, die ihn zuvor von einer Niederlassung abgehalten haben. Eine Förderung zu Beginn kann die dauerhaften Probleme während der gesamten weiteren Niederlassungszeit nicht kompensieren.
Am Beispiel einer neu niedergelassenen Ärztin in Mecklenburg-Vorpommern werden die Probleme der Ärzte überdeutlich. Zwischen dem, was die Kassenärztlichen Vereinigungen und andere versprechen und dem, was ein so eingestimmter Arzt dann in der Realität erleben muss, klaffen Welten. Die Ärztzeitung schreibt dazu:
Doch ein Jahr nach ihrer Praxisgründung ist die Phlebologin nicht sicher, wie lange sie noch im Nordosten bleiben wird. "Ich kann nicht ausschließen, daß ich meine Praxis hier wieder schließe".... auch Großbritannien nennt sie als mögliche neue Standorte für ihre ärztliche Tätigkeit.
Hier zeigen sich die strukturellen Defizite ganz deutlich. Ärztliche Berufspolitik wird sich daran messen lassen müssen, ob es gelingt, auch langfristig Bedingungen für niedergelassene Ärzte zu schaffen, die für die Ärzte insgesamt attraktiv genug sind.
Bis jetzt kann davon noch keine Rede sein. Auch die kläglichen Versuche der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), mit der sie zusätzliche Mittel einfordert, werden nicht erfolgreich sein. Mittel einzufordern ohne zu sagen, wo sie herkommen sollen - das ist leicht. Wenn die KBV jetzt auf einen Schlag 700 Mio. Euro einfordert so muss sie sich fragen lassen, wie lange und wie tief sie in der Vergangenheit geschlafen hatte. Denn bevor es 700 Mio. waren, fehlten früher doch schon 200 oder 500 Mio Euro - was hat die KBV damals dazu gesagt oder getan?
Den Äußerungen des Hausärzteverbandes und der KBV kann man jedoch auch eine positive Seite abgewinnen: Immerhin wird das Thema Ärztemangel nicht länger völlig ignoriert.